Neues von der BERLINALE


  kaleizette

Das finstere Tal

Die Bedingungen der winterlichen Natur sind eigentlich schon lebensfeindlich genug, aber da hätten wir ja noch die besonderen Eigenschaften menschlicher Wesen, die alles noch viel schlimmer machen. Also es kommt ein Fremder daher, gibt sich als Fotograf aus. Und als er wieder geht, ist alles anders und die Bevölkerungsdichte im Ort ist „gesunken“.

Dazwischen liegen 115 blutige Filmminuten, die aber dennoch ihre Reize haben. Worin liegen sie? Die Einer-gegen-alle-Selbstjustiz bietet der Durchschnittsseele reichlich Identifikationsspielraum, zumal der Rächer als sensible fast übernatürliche Person daher kommt. Er kommt aus einer Welt der Poesie, wenn er seine Daguerotypien, also „Spiegel, die sich Bilder merken können“ herstellt. Daraus wird dann ein Kontrastprogramm, als er sich auf den „Stecken und Stab“ im Psalm nicht getrost verlassen möchte, sondern lieber zu seinem aus den USA mitgebrachten Gewehr greift. Und schon damals war alles, was aus der Neuen Welt kommt, „bigger“, besser, schneller und genauer. Diese Wiederbelebung des Schnee-Westerns verspricht spannendes Genre-Kino. Und Menschen sind neugierig, wie Charaktere in Extremsituationen zurechtkommen, am liebsten aus der sicheren Perspektive eines kuscheligen Kinosessels.

Die atmosphärische Dichte des Films zieht den geneigten Zuschauer in den Bann der Bergwelt. Großzügige Panorama-Aufnahmen sprengen die Enge des Tals und weiten den Blick. Der 1961 geborene ehemalige Fullbright Stipendiat Matthias Weber setzt um, was er in Boston und Los Angeles an Komposition und Film Scoring gelernt hat. Seine Musik gewinnt unsere emotionale Beteiligung.

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