Zu Hause bei der Familie


  kaleizette

Messe am Ende?
Abgesehen von der Short Film Corner gab es von der Filmmesse nicht viel Positives zu berichten. 2012 wurden erstaunlich viele Trash- und Horrorfilme präsentiert, so als ob es sich um ein Genre handele, dem die Zukunft gehört. Überraschend gingen der Messe gegen Ende des Festivals scheinbar die Filme aus, sodass an den letzten Tagen überwiegend Wiederholungen aus Wettbewerb und Nebenreihen gezeigt wurden. Für die Messeteilnehmer war das sehr angenehm, ersparte es ihnen doch das Schlangestehen bei den offiziellen Veranstaltungen. Zu denken gibt dieser Mangel an Filmen dennoch: Schließlich ist die Messe der kommerzielle Motor des Festivals, der neben viel Geld auch Tausende von Produzenten, Verleihern und Regisseuren nach Cannes bringt. Die Messe ist für das Festival lebenswichtig. Allein von Sponsoren, französischen Steuerzahlern und Werbung ließe es ich nicht mehr finanzieren.

Bei dieser kritischen Rückschau auf die Messe darf nicht verschwiegen werden, dass es dort einige wirkliche Kostbarkeiten zu sehen gab. So wie etwa »38 témoins« (F 2012) des belgischen Regisseurs Lucas Belvaux. Der Film beginnt mit atemberaubenden Aufnahmen riesiger Containerschiffe, die in den Hafen von Le Harvre einlaufen. Doch bald wird der Film zu einer Kriminalgeschichte: Mitten in der Stadt wurde zu nächtlicher Stunde eine junge Frau brutal ermordet. Keiner der Anwohner des Häuserblocks gegenüber will etwas gehört oder gesehen haben, bis der Protagonist des Films schließlich zugibt, alles genau gehört zu haben. Die biedere Fassade der anderen Hausbewohner bröckelt nach und nach, immer mehr Details kommen ans Tageslicht… Solche Messefilme, die ohne weiteres auch ins offizielle Programm gepasst hätten, waren in diesem Jahr leider die Ausnahme.

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Plakat zu 38 témoins (F 2012) von Lucas Belvaux